Madagaskar hieß im 18.Jahrhundert für Biologen Lemuria. Das Wort Lemur ist lateinischen Ursprungs. In der römischen Mythologie bedeutet Lemur die nächtlich umherschweifenden Seelen der Verstorbenen. Als sich Madagaskar vor ca. 150 Millionen Jahren von Afrika abspalte, gab es noch keine Primaten. Die Vorfahren der Lemuren sind vermutlich nach der Abdrift Madagaskars auf dem Kontinent in Afrika entstanden. Viele archäologische Funde alter Lemuriformen können diese These unterstützen.
Vor 49 Millionen Jahren lebte in Deutschland eine Lemurenart namens Europolemur koenigswaldi, dessen Fossile in Messel aufgefunden war. Es stellt sich die Frage, wie die Vorfahren der Lemuren nach Madagaskar gelangt sind, zumal Lemuren wasserscheu sind? Als Blindpassagiere auf Baumstämmen ?
In Madagaskar leben heute ca. 72 Lemurenarten. Diese große Vielfalt der Lemurenformen ist darauf zurückzuführen, dass die Lemuren auf Madagaskar hinsichtlich der Raubtiere ohne große Gefahr leben können. Unter den Feinden der Lemuren sind die Frettkatze Cryptoprocta ferox und die Lemurenweihe Aviceda madagascariensis. Als Primaten sind die Lemuren bezüglich eventueller Angreifer relativ organisiert. Bei den Indris und Sifakas der Indridae-Familie haben sie beispielsweise zwei unterschiedliche Warnrufe für einen Boden-und Luftangriff. Mittlerweile vertritt die Art Homo sapiens sapiens die größte Gefahr für die Halbaffen, deren Fleisch verzehrt wird.
Die Lemuren besitzen vier Hauptmerkmale: Die feuchte Nase; Die wollartige Fell; Die Benutzung von Drüsen, um ihr Territorium zu markieren; Eine saisonale Fortpflanzung. Bei den meisten Lemuren herrscht die sogenannte „Frauenherrschaft“ oder Weibchendominanz. Was das sexuelle Verhalten anbetrifft, wird der Indridae-Familie eine monogamische Tendenz zugeschrieben. Diese Theorie ist allerdings insofern umstritten, als das Paarungsrecht bei vielen Lemuren unter den Männchen jedes Jahr fast blutig zu erkämpfen ist.
Der goldene Bambuslemur, Hapalemur aureus, wurde 1985 von einem deutschen Forscher Bernhard Meier entdeckt. seine goldene Farbe unterscheidet ihn von den anderen Bambuslemuren. Man kann ihn in Ranomafana Nationalpark finden. Die anderen Bambuslemuren sind: der Große Bambuslemur Prolemur simus, der kleine Bambuslemur Hapalemur griseus und der Alaotra-Bambuslemur Hapalemur alaotransis. Lemuren sind Halbaffen. Hapalemur bedeutet Halblemur.
Der Ringelschwanzmaki, oder Katta, Lemur catta, ist zweifellos der bekannteste Lemur Madagaskars. Er lebt in trockenen Gebieten im Süden und Südwesten. Bekannt ist bei dieser Art der sogenannte Stinkkampf. Während der Paarungszeit ertränken die Männchen ihre Schwänze mit Drüsen. Wer am meisten stinkt, der ist das dominante Männchen. Es darf mit dem dominanten Weibchen paaren. Der kleine Anjapark und Berenty Privatreservat sind die besten Orte, um die Kattas hautnah zu erleben.
Der rote Vari, Varecia rubra, lebt im Primärwald des Masoala Nationalparks. Typisch ist bei den Varis ihre laute Rufe. Der Weisskopfmaki, Eulemur flavifrons, ist im Norden de Insel anzutreffen. Der Ambre und Marojejy Nationalpark gehören zu ihren Territorien.
Der Rotstirnmaki, Fulvus rufus, ist der anpassungsfähigste Lemur. Im Kirindy Wald und entlang des Tsiribihina Flusses leben die Rotstirnmakis noch in ihrem natürlichen Gebiet.
Wegen seiner schwarzen Farbe heißt er Mohrenmaki, Eulemur macaco. Im Lokobe-Reservat und auf der Insel Komba auf Nosy Be kann man die Mohrenmakis sehen.
Die Sifakas gehören zur Familie Indridae. Im Gegensatz zu den Kattas und den anderen Lemuren der Familie Lemuridae, bewegen sich die Sifakas auf zwei Beinen. Der Coquerel-Sifaka, Propithecus coquereli, lebt im Trockenwald. Man kann ihn in Ankarafantsika und in der Nähe von Zombitse Nationalpark sehen.
Der Diademsifaka, Propithecus diadema, ist hingegen ein Bewohner des Regenwaldes. Daher ist er eher im Osten und zwar im Mantadia Nationalpark zu sehen. Seit einigen Jahren sind auch ein Paar Diademsifaka-Gruppen in den Analamazaotra Nationalpark eingeführt worden.
Der Seidensifaka, Propithecus candidus, ist ein der seltensten Sifaka-Arten. Der wird fast nur in Marojejy und Masoala Nationalpark gesichtet. Der größte Star unter den Sifakas heißt der tanzende Larvensifakas, Propithecus verreauxi. Der rote Boden von Berenty Privatreservat ist eine bekannte Bühne für die Schau der tanzenden Sifakas
Der Wollmaki, Avahi laniger, ist das nachtaktive Mitglied der Indri-Familie. Das wollige Fell ist sein Merkmal. Wegen seiner Größe lässt er einfach mit Wieselmakis verwechseln. Man kann ihn allerdings an seiner vorwiegend zweibeinigen Fortbewegung erkennen. Die sieht man in Ranomafana und Andasibe Nationalpark.
Der Indri, Indri indri, ist der größte Lemur in Madagaskar. Sein Name bedeutet „dort“. Um ihr Territorium zu markieren, rufen die Indris sehr laut. Das „ Indri-Konzert“ ist ein akustisch sensationelles Erlebnis. Man sieht Indris in Andasibe und im Palmarium Privatreservat.
Wieselmakis Lepilemur leucopus, Mausmakis, Microcebus rufus, das Fingertier, Aye aye, und die Gabelstreifenmakis, Phaner pallescens, sind nachtaktiv. Während Mausmakis und Wieselmakis sind fast in aller Waldtypen Madagaskars vertreten und lassen sich während einer Nachtwanderung relativ einfach finden, ist das Fingertier sehr selten. Nur mit großem Glück sieht man es. Auf der Halbinsel Nosy Mangabe ist es vor Jahren eingeführt worden. Daher besteht die Möglichkeit, ein Aye aye auf dieser Insel zu sehen.
blühende Pflanzen